Die Fellfarbe und das Verhalten


Hunde in gewissen Farben (wie z.B. rote Tiere) gelten oft als “hibbeliger” und "nervöser" als die klassischen Standardfarben. Ist da was dran? Ja, sagt die Wissenschaft und berichtet folgendes:

 

Wie im Artikel "Farbgenetik" bereits aufgezeigt, wird die Fellfarbe eines Hundes vor allem durch die Pigmente Eumelanin und Phäomelanin bestimmt, welche aus der Aminosäure Tyrosin gebildet werden. Eumelanin färbt dabei die Haare schwarz, während Phäomelanin die Haare gelblich bis rötlich erscheinen lässt. Weiße Haare besitzen keines der beiden Pigmente. Die Intensität und Verteilung der Pigmente im Fell des Hundes wird von mehreren verschiedenen Genen gesteuert, die sich auch gegenseitig beeinflussen.

 

Der These liegt ein gemeinsamer Produktionsweg zugrunde, den sowohl Eumelanin als auch die Botenstoffe der Familie der Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin) beschreiten. Diese Gemeinsamkeit in den Synthesewegen führt zu dem Verdacht, daß es einen Zusammenhang zwischen dem Vorkommen von Melanin und der Stressresistenz geben müsse. Daher finden sich hier offenkundige Verknüpfungen zwischen Fellfarbe und selbstbelohnendem Verhalten des Angriffs- oder Fluchtsystems.

 

Der Produktionsweg des Phäomelanins mit gemeinsamen genetischen Eigenschaften im Bereich des Cortisolsystems verknüpft. Das Cortisolsystem steuert Unsicherheit, Ängstlichkeit und Panikanfälle. Das Gen, das Cortisol-Bindungsstellen im Gehirn und Rückenmark vermehrt, bedingt auch das Phäomelanin. Das heißt, daß der Zusammenhang hier im Genmaterial selbst liegt.

 

Verstärkt wird das Ganze noch, wenn das Agouti-Gen mit im Spiel ist. Auch Agouti beeinflusst die Bindungsstellen für Cortisol, so daß Agouti-gefärbte Kandidaten eine doppelte Anfälligkeit für Hysterie, Panik und Instabilität haben.

 

Daher ist es jetzt durchaus wissenschaftlich begründet, warum man innerhalb verschiedener Rassen Verhaltensunterschiede bei entsprechend gefärbten Tieren beobachtet zu haben meint. So zeigen zum Beispiel braune Labradore eine höhere Erregbarkeit, eine niedrigere Trainierbarkeit sowie häufiger auffällige Verhaltensweisen als ihre schwarzen oder gelben Rassegenossen. Dafür scheinen sie aber seltener von Furcht vor Geräuschen betroffen zu sein. Dieses Phänomen konnte nun Dank der Wissenschaft aufgeklärt werden. Danke Wissenschaft!

Quelle: Krivy/ Gansloßer "Verhaltensbiologie Hund"

Stand: 15.09.2020

Kommentare: 1
  • #1

    Daniel (Donnerstag, 05 August 2021 20:02)

    Das würde erklären, warum Cees (weiß) und Cäsar (schwarz) so unterschiedliche Hunde sind, obwohl sie beide Großspitze sind.