Dumm wie ein Hund!

Vor einigen Tagen wurde ich durch die sozialen Medien auf eine Hundetrainerin aufmerksam, die auf Instagram immer mal wieder Artikel veröffentlicht, in denen sie auf ein buntes Potpourri an Hundethemen eingeht. Bei einem dieser Artikel hat es mir jedoch vor Lachen fast die Locken glatt gezogen: und zwar ging es um die Frage, warum Hunde den Fernseher anstarren, wenn darin Tiere vorkommen. Sie jedenfalls ist der Auffassung, daß man sich in so einem Falle zwischen Hund und Fernseher stellen sollte, um dem Hund zu signalisieren, daß man ihn schützt und ihm somit keine Gefahr vor der Bestie in der Glotze droht. Man, was habe ich herzhaft gelacht! Das ist übrigens die gleiche Trainerin, die es für einen Frevel hält, wenn Hundehalter anderen Hundehaltern Erziehungstipps geben. Natürlich! Nur der 11er-Schein verleiht einem unangreifbares Expertenwissen; der übrige Pöbel möge sich doch bitte die Eselsohren aufsetzen und sich zum Schämen in die Zimmerecke setzen.

 

Aber zurück zum Thema "Der Hund und das Monster aus dem TV": ich frage mich wirklich, für wie dämlich und beschränkt manche Menschen Hunde halten?! Zum einen ist der Hund nicht nur auf seinen Sehsinn reduziert, dieser ist ja noch nicht mal sein stärkster Sinn. Nein, er kann dazu noch hören und Dinge olfaktorisch wahrnehmen, dazu kommen dann noch andere Wunder-Sinne. Bei einem gesunden Hund arbeiten immer alle Sinne parallel, der Welpe, der sich selbst im Spiegel sieht, merkt schnell, daß das Gesehene nicht real ist, da außer seinem Sehsinn keine anderen Sinne angesprochen werden. Deswegen reagiert ein Hund auch nur kurz auf sein Spiegelbild. Sehen tut er es natürlich sehr wohl, er ist ja schließlich kein Vampir. Und deswegen sieht der Hund natürlich auch, was wir sehen, wenn die Glotze läuft. Aber er weiß sehr wohl, daß der Löwe aus der Tierdoku nicht wirklich im Fernseher sitzt. 

 

Tja, wenn's nicht so traurig wäre, würde ich mir über solchen Gedankenmüll vermutlich vor Lachen in die Hose machen. Leider "trainieren" jedoch solche Menschen unsere Hunde, welche sie anscheinend für geistig so komplett retardiert halten, daß sie meinen, man müsse den Hund vor dem Fernsehprogramm beschützen. Dies zeigt doch deutlich auf, wie viel Wert so eine Trainerlizenz nach §11 hat. Keinen nämlich, gar keinen! Das gilt genauso für die Trainer, die meinen, daß Hunde keine Kohlenhydrate brauchen. Setzen, Sechs! Hunde sind keine Wölfe, Hunde brauchen Kohlenhydrate sehr wohl und können sie hervorragend verstoffwechseln. Es gibt auch keine natürliche Hunde-"Rudel", aus deren Verhalten man irgendwelche Rückschlüsse für die Erziehung ziehen kann. Hunde sind Kulturfolger, und zwar des Menschen Kulturfolger. Die gab und gibt es im Nahbereich des Menschen, alles andere ist Wolf oder aber eine Ausnahme wie die Pizza-Hunde. 

 

Wer wissen möchte, zu welchen geistigen Leistungen ein Hund fähig ist, der lese bitte die hier verlinkten Tiergeschichten:

 

Tiergeschichten_1
Tiergeschichten_2

 

Hier mal ein Auszug (die Geschichte heißt "Das Versteck"):

 

Auf dem Morgenspaziergang mit den Hunden Brötchen kaufen zu wollen, war schon eine besondere Herausforderung. Das lag vor allen Dingen daran, dass für den guten Griepto Brötchen das Leckerste überhaupt waren. In seiner Zeit im Tierheim hatte man ihm nämlich ab und zu mal mit einem Stückchen Brot oder auch Kuchen das triste Tierheimleben versüßt. Obwohl er ganz gern zuschnappte, hatte man auch dort nämlich sehr wohl gesehen, welch wirklich herzensguter Kerl unter der harten Schale steckte, aber er galt nach bereits 2 Jahren im TH bereits als unvermittelbar und so wollte man ihm halt ab und zu etwas Gutes tun. Wenn ich also morgens beim Bäcker vorbeiging, habe ich auch ganz gern mal ein Brötchen mehr gekauft, um abends noch eines zu einer guten Suppe zu haben. Das habe ich dann also nach dem Frühstück zur Seite gelegt. Selbstverständlich wurde ich dabei von Griepto neugierig beäugt. Dem entsprechend habe ich es also z.B. ganz hinten auf die Anrichte gelegt. Die war ja relativ hoch und auch breit.

 

Wenn ich dann abends das Süppchen gekocht hatte, habe ich das Brötchen einfach nicht mehr gefunden. Jede Suche blieb erfolglos. Als ich dann am Wochenende gründlich geputzt habe, fand ich die leere Brötchentüte hinter der Küchentür. Nun muss ich dazu erklären, dass die Küchentür praktisch immer bis zur Wand geöffnet war und nur sehr selten geschlossen wurde. Das war immer am Wochenende kurz, um dahinter zu wischen und ansonsten nur, wenn die Hunde während der Läufigkeit getrennt waren.

 

Naja – ich habe mir zuerst nicht sehr viel dabei gedacht. Aber mit der Zeit stellte ich dann fest, dass Griepto grundsätzlich, wenn er etwas Essbares gemopst hatte, verräterische Überreste, wie etwa die Verpackungen, hinter der Küchentür versteckte. Er hatte wohl genau beobachtet, dass die sehr selten geschlossen wurde und daraus den Rückschluss gezogen, dass der Raum dahinter ein gutes Versteck sein müsste, so dass er nicht so schnell auffliegt. Es ist ja auch wesentlich auffälliger, wenn man im Hundekorb die Brötchentüte neben sich liegen hat.

  

Und je länger der Zeitraum ist, bis das verräterische Teil gefunden wird, desto harmloser fällt das darauf folgende Donnerwetter aus. Die anderen Hunde, insbesondere Gilla, haben dieses Versteck dann später auch gern benutzt. Und das hat es natürlich umso schwieriger gemacht, den vierbeinigen Dieb dingfest zu machen.

Der Hund klaut also das Brötchen und um nicht erwischt zu werden, versteckt er die Tüte hinter der Tür, da dort nur einmal in der Woche nachgeschaut wird. Dazu bedarf es einer außerordentlichen Denkleistung: zum einen braucht es ein Gefühl für Unrecht und Recht, dann muss man das ganze planen - und zwar so, daß die eigenen Spuren verwischt werden - und man muss hypothetische Abläufe in der Zukunft durchdenken können, um diese dann zu beeinflussen.

 

Jeder, der sich mit wachem Geist und hellen Augen seine Hunde mal genau anschaut, muss zwangsläufig erkennen, daß Hunde eben nicht nur reptilienhirngesteuerte Instinktwesen sind, die nicht denken oder ihre Handlungen nicht planen können. Ganz eindeutig können sie vorwegnehmen, wie das Gegenüber reagieren wird und dies auch in ihren Handlungen berücksichtigen. Sie können trauern, wütend sein, Angst haben oder sich diebisch beömmeln, wenn Frauchen mit vollen Einkaufstüten einen so grandiosen Stunt im Treppenhaus hinlegt, daß die Nachbarn hinterm Türspion applaudieren. Auch können sie sich erinnern. Kuno hat mal zwei Wochen lang jeden Tag an der gleichen Stelle auf einer Treppe geguckt, ob das Brötchen, das dort lag, vielleicht doch wieder da ist. Dies alles negiert folglich sämtliche Grundsätze der Bestrafung, von wegen der Hund wisse schon eine Minute später nicht mehr, für was er (wie auch immer) bestraft wird. Hunde können logische Zusammenhänge erfassen und umsetzen, können Beobachtetes auf sich selbst beziehen und die verschiedensten Rückschlüsse daraus ziehen. Dies alles gilt jedoch nicht für die totgeklickerten Leckerli-Kreaturen; deren Gedächtnisleistung gleicht mitunter wirklich der einer Amöbe. Dies bedeutet aber auch, daß man es eben selbst in der Hand hat, wie schlau der eigene Hund ist. Nehme ich ihm alles ab oder lasse ich ihn auch selbst Problemstellungen lösen?

 

Da ich Problemstellungen übrigens auch gern selbst löse, verzichte ich dankend auf all die tollen Experten und Trainer und nehme meine Hundeerziehung in die eigene Hand sowie mir das Recht heraus,  solchen "Experten-Unsinn" mit Hohn und Spott zu bewerfen. Und das nicht zu knapp.  

 

Habe die Ehre!

 

PS: Es sind natürlich nicht alle Trainer gemeint, es gibt auch gute. Nur leider nicht sehr viele!

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