Über Sinn und Unsinn von Futterzusätzen


Superfood für den Hund?

In einer Zeit, in der jede Woche eine neue Sau durch's Dorf gejagt wird, was das neue "Superfood" anbelangt, macht dieser Trend natürlich auch vor der Hundeernährung nicht halt. Gestern war die Gojibeere die Garantie für Unsterblichkeit, heute schon gilt sie als suboptimal, dafür schmiert man den Vierbeiner jetzt mit Kokosfett ein. Zudem gibt es so viele unterschiedliche Ernährungskonzepte, daß dies bereits zur Verunsicherung führt. Barf? Kochen? Trockenfutter? Nassfutter? Mischkost? Vegetarisch? Alles verwirrend..... Doch gegen die Verunsicherung bei der täglichen Hundefütterung ist ein Kraut gewachsen: Nahrungsergänzungsmittel, Mineralstoff- und Kräutermischungen verpackt in durchgestylten Dosen versprechen den rund-um-gesunden Hund. Wirklich?

 

Wichtig ist, dass dem Hund täglich die richtige Menge an allen Nährstoffen zugeführt wird. Besteht bereits eine ausgewogene Ration und wird diese dann zusätzlich mit speziellen Mineralstoffpräparat ergänzt, kann es zu einem Ungleichgewicht in der Versorgung kommen. Eine Überversorgung ist meistens genauso schädlich wie eine Unterversorgung. Die Grundlage einer gesunden Ernährung bildet in jedem Fall die Qualität der zugeführten Rohstoffe. Daher sollte der Hund generell nicht zu minderwertiges Futter bekommen.

 

Häufig werden Nahrungsergänzungsmittel von Herstellern der Gesundheits- und Langlebigkeitsgarant angepriesen. Mit nur einem Produkt werden scheinbar alle nötigen Nährstoffe und noch dazu in der richtigen Menge aufgenommen. Wirklich?

Sehen wir uns ein Beispiel an:

Zusammensetzung eines Präparates: Algenkalk, Bierhefe, Malzkeime, Seealgenmehl, Traubenkerne

 

Algenkalk besteht zu großen Anteilen aus Calciumcarbonat. Dadurch wird die Magensäure neutralisiert, so dass die Nahrung im Magen nicht oder nur unzureichend vorverdaut wird. Krankmachende Keime (z.B. Salmonellen) können nicht abgetötet werden; dazu wird noch die Gasbildung im Magen begünstigt. Die Folgen: Sodbrennen, unvollständige Vorverdauung, verlangsamte oder unvollständige Zersetzung der Nahrung, Fehlgärungen, Erbrechen, Magenschleimhautentzündung. Daher sollte bei der Wahl eines Produktes zur Zufütterung von Calcium darauf geachtet werden, dass dieses als Wirkstoff Dicalciumphosphat enthält.

  

Bierhefe &Malzkeime: Was passiert, wenn man Hefe und Malz mischt? Bier kommt raus. Und Bier gärt und gast. Diese Gärungsgase erzeugen Blähungen und bereiten Bauchschmerzen. Zusätzlich wird ein Wachstum der Hefepilze begünstigt, die Haut und Darm besiedeln. Die Folgen können Juckreiz, Ohrentzündungen, Fell- und Hautstörungen sein.

 

Seealgenmehl: Dieses enthält sehr viel Jod. Beeinflusst werden durch das Jod die Schilddrüsenhormone und hierüber der gesamte (Zell)-Stoffwechsel, das Nervensystem, die Sexualhormone, die Herztätigkeit und vieles mehr. Sowohl eine Über- als auch eine Unterversorgung kann zu Schilddrüsenproblemen führen und äußert sich beispielsweise in Gewichtsproblemen, Verhaltensänderungen, Fellproblemen, Herz-Kreislauf-Symptomen, Verdauungsstörungen etc.

 

Traubenkerne: Gelten laut diverser Studien als ungesund für Hunde. Die Symptome für eine Vergiftung sind Erbrechen, Durchfall, vermindertes Allgemeinbefinden und akute Nierenerkrankung sowie eine erhöhte Wasseraufnahme, erhöhter Harnabsatz und verminderte Harnausscheidung.

 

Ergebnis: Diese Präparate können wesentlich mehr Schaden anrichten, als sie denn nützen!

Pflanzlich = automatisch gesund?

Daß Pflanzen durchaus hochwirksame Wirkstoffe enthalten, sollte jedem klar sein, der jemals etwas von psychogenen Pilzen gehört hat. Daher können sie zu unerwünschten bis lebensbedrohlichen Auswirkungen führen. Deswegen muss auch bei pflanzlichen Präparaten das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewägt werden. Die Risiken sind bei standardisierten Mitteln noch berechenbar; unübersichtlich wird es allerdings bei dubiosen Kräutermischungen, die zum Beispiel aus Asien kommen. Weiterhin verstoffwechseln Hunde Substanzen anders als Menschen. Genannt sei hier zum Beispiel der Süßstoff „Xylit“ (auch Birkenzucker), der bis hin zum Tode führen kann.

 

Ein gutes Beispiel für den Unterschied zwischen Mensch und Hund ist der Einsatz von Vitamin C, das sich in Form von Hagebuttenschalen in vielen Nahrungsergänzungspräparaten für Hunde findet. Der Hundekörper kann Vitamin C selbst herstellen. Füttern wir nun Vitamin C zu, wird das sensible Gleichgewicht empfindlich gestört und kann bei dauerhafter Anwendung Leber- und Nierenschäden zur Folge haben. Und noch ein weiterer Aspekt muss bei Hagebuttenschalen betrachtet werden: Sie enthalten sehr viel Kupfer. Führen wir dem Hund zu viel davon zu, zeigen sich folgende Symptome: Labilität und Nervosität, entzündlichen Prozesse in Darm, in den Gelenken, in den Atemwegen sowie Epilepsie und Hyperaktivität, Leberstörungen, Müdigkeit, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie einem ernährungsbedingten Zinkmangel.

Fazit

Grundsätzlich sind Nahrungsergänzungsmittel oder Futterzusätze aus dem Handel für einen gesunden, erwachsenen (!) Hund nicht notwendig, denn über seine Mahlzeiten bekommt er bestenfalls alle Nährstoffe, die er braucht. Falls man dennoch unsicher ist, kann man sich auch an einen Ernährungsberater wenden. Welpen hingegen brauchen mehr Nährstoffe, also kommt man evtl. nicht um einen Futterzusatz herum. Dieser sollte jedoch sorgfältig hinsichtlich seiner Inhaltsstoffe überprüft werden.

Stand: 09.10.2020

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