Buddy-Kuno vom Windhainersee


Wie ich auf den Deutschen Wolfsspitz kam

Tatsächlich kann ich das gar nicht mehr sagen. Nachdem ich schätzungsweise irgendwo mal einen Wolfsspitz gesehen hatte und den Namen aufgeschnappt haben musste, habe ich mich recht grob über die Rasse informiert und für gut befunden, und zwar für so gut, daß es schnell nur noch die Option "diese Rasse oder keine" gab. Im Nachhinein betrachtet hat meine Intuition voll ins Schwarze getroffen, obwohl ich zu Anfang noch so wenig Ahnung vom Spitz hatte, daß ich einmal einen Eurasier für einen sehr großen Wolfsspitz gehalten habe. Den Hund habe ich vor kurzem nochmal gesehen: der hat einen Kopf, so groß wie eine Bowlingkugel und Pfoten wie Toilettendeckel - eben typisch Chow-Chow-Einschlag...

Züchtersuche

Da ich niemand bin, der sich von jetzt auf gleich ein Tier zulegt - abgesehen von Hamstern als Kind, und die tun mir heute noch leid - hatte ich mich auf eine gewisse Vorlaufzeit eingestellt. Tatsächlich belief sich diese auf ein knappes Jahr; ich für mich habe das als positiv empfunden, die Zeit zu haben, eine wirklich fundierte Entscheidung hinsichtlich der Anschaffung eines Welpen treffen zu können.

 

Kunos Züchterin Martina Herzog-Spies habe ich auf der Seite des VDSp unter "Deckankündigungen" gefunden. Ich habe natürlich mehrere Züchter kontaktiert, aber Martina habe ich für unheimlich symphatisch befunden und darum ausgewählt. Auch wieder Glück gehabt: damals hatte ich noch keine Ahnung von der Keeshond-Linie und habe glücklicherweise eine Wolfsspitzlinie nach altem Schlag ausgesucht.

 

Im Vorfeld habe ich mich mit Martina auf der CABIB in Kassel getroffen und konnte so beide Elterntiere persönlich noch vor der Belegung kennenlernen. Auf der CABIB habe ich dann auch erstmalig mitbekommen, daß es diese Konkurrenz zwischen den beiden Wolfsspitzlinien gibt. Schon damals stieß es mir komisch auf, daß ausgerechnet holländische Punktrichter die konkurrierenden Wolfsspitze und Keeshonds bewerten sollten.

Kuno wird geboren

Kuno kam am 30. März 2019 auf die Welt, zusammen mit 5 Geschwisterchen. Da es heftige Komplikationen bei der Geburt durch eine Plazentaablösung einer kleinen Hündin gab und die Welpen letztlich per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht wurden, hat jene kleine Bacira nur einen Tag überlebt; sie hatte zu viel Fruchtwasser geschluckt. Gott sei Dank waren alle anderen Welpen wohlauf. Seitdem trägt Baciras Schwester Buffy den Doppelnamen Bacira-Buffy.

 

Kunos Name leitet sich ab vom althochdeutschen "Kunolf", was soviel heißt wie "Sippenwolf". Kuno ist einfach die Kurzform von Kunolf.

Kunos Kinderstube

Klein-Kuno sieht aus wie ein Murmeltier
Klein-Kuno sieht aus wie ein Murmeltier

Er hätte es nicht besser haben können: Martinas liebervoller Haushalt, Übermutter Amy, die sich alle Beine für die Kleinen ausgerissen hätte, die beiden Babysitter Cora (Wolfsspitzhündin) und Anton (Mittelspitz), sowie zwei liebe Katzen, haben den Kleinen eine wundervolle Kindheit und hervorragende Sozialisierung beschert. Kuno durfte aufwachsen mit einem begrünten Außenbereich, mit einem Abenteuer-Welpenspielplatz und mit ganz viel Liebe.

 

Als ich ihn am Karfreitag 2019 zum ersten Mal kennenlernen durfte, war er zwar noch etwas schüchtern, aber schon ganz der Kuno, der er auch jetzt ist: todesmutig hat er sich schon als kleiner Scheißer in einer Welpen-Spiel-Wippe fast stranguliert. So kennt man ihn: ein übermütiger Eierkopp ;-)

 

Wir haben die Rasselband aus inwischen lauter mopplig gewordenen Krokodilen dann noch einmal besucht. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich schon zu Martinas Liebling gemausert, die ihn - verständlicherweise - wirklich nur sehr ungern hergeben wollte.

Die Charakteristik des Kunos

Kuno ist im Alter von 9 Wochen bei uns eingezogen und lebt hier mit Katze Leni und Kater Robert sowie mit uns beiden Zweibeinern zusammen. Nach anfänglicher Schüchternheit hat sich schnell gezeigt, daß er absolut seinen eigenen kleinen Kopf hat.

 

Er ist als Welpe und ganz junger Junghund relativ schnell hochgefahren und war schnell aufgeregt und überdreht. Daher habe ich absoluten Wert auf Ruhetraining und viel viel Schlaf gelegt. Da er inzwischen ein sehr entspannter und ausgeglichener junger Mann geworden ist, war dies offensichtlich der richtige Weg.

Baby-Kuno: nur scheinbar schüchtern ;-)
Baby-Kuno: nur scheinbar schüchtern ;-)

Menschenfreundlich ist er, allerdings nicht im Übermaß; die meisten Menschen sind ihm relativ egal, von sich aus sucht er kaum Kontakt zu Fremden (außer ich verlasse mich darauf). Bei Hunden sieht es hingegen etwas anders aus: er liebt sie alle. Wirklich alle. Obwohl ich Leinenkontakte so gut es geht vermeide, findet er jeden Hund ganz, ganz toll. Er ist allerdings auch mit jedem verträglich und kann sich sehr gut auf sein Gegenüber einstellen.

 

Kuno ist ziemlich dickschädelig und hat jede Menge Käse im Kopf; den Schalk hat er im Rucksack natürlich auch immer dabei. Man muss bei ihm bei der Sache sein, sonst trickst einen schneller aus, als man gucken kann. Er hat auch nur eine Bezugsperson, nämlich mich. Befehle nimmt er auch nur von mir entgegen, wenn andere Familienangehörige ihm ein Kommando geben, schaut er mich immer erstmal fragend an. Natürlich akzeptiert er unseren engeren Kreis problemlos, probiert aber doch seine Grenzen gern mal aus; und auch gern die eine oder andere Frechheit.

 

Kuno ist extrovertiert und selbstbewusst, kein bisschen schüchtern und überhaupt nicht ängstlich. Manchmal muss ich bei ihm aber schon sehen, daß er nicht zu sorglos oder übermütig durch die Welt galoppiert, denn leider ist er so dösbaddelig wie ich selbst und verletzt sich gern mal. 

Kuno auf einem riesigen Misthaufen in Penkendorf/ Schlesien.
Kuno auf einem riesigen Misthaufen in Penkendorf/ Schlesien.

Die Pubertät kam von jetzt auf gleich; eben hatte ich mich noch über seine hervorragende Leinenführigkeit gefreut, da war's damit auch schon wieder vorbei und er hat gezogen wie ein Auerochse. Mit Konsequenz haben wir das wieder hinbekommen, zudem muss er in Freifolge laufen und darf mich nicht überholen. Dies hemmt seinen Drang nach vorn; auch verhindert die Freifolge sehr gut eigenmächtige Entscheidungen meines Kunos (beispielsweise das Überqueren einer Straße, um einen Hund zu begrüßen). Im Freilauf muss ich ihm klare Grenzen vorgeben, sonst startet er seinen eigenen Spaziergang, daher läuft er eben hinter mir und trägt ein Glöckchen, so daß ich hören kann, wo er ist, ohne mich andauernd umdrehen zu müssen.

 

Er kuschelt gern und lässt sich die Wampe kraulen, ohne aufdringlich zu sein und ohne mir die ganze Zeit hinterherzulaufen. Er liegt ohne Probleme in einem anderen Raum und schläft. Wenn sich aber wirklich was Spannendes auftut, ist er schnell da, denn er kommt am liebsten mit uns mit. Da er als Begleithund fungiert, darf er das auch. Beim Begleiten stellt er sich auch gar nicht doof an, dieser Hund macht wirklich alles mit. Bummeln, Märkte, Urlaub, Hotels, Restaurants etc. etc., alles kein Problem.

 

Einen Jagdtrieb hat er nicht, nur Mäuse und Ratten sollten sich vor ihm in Acht nehmen. Fremden Katzen und Igeln stellt er sich sogar höflich vor. Wildschweine werden hingegen verjagt. Er reagiert auf Bewegungsreize, allerdings auch nicht im Übermaß, so daß ich mit den Katzen mit der Katzenangel spielen kann, ohne daß er Theater macht, weil er nicht mitmachen darf.

 

Er ist ein guter Wächter, ohne kläffig zu sein. In meiner Anwesenheit bellt er meist nicht, sondern zeigt mir via Blick oder Brummen, daß da etwas ist. Er akzeptiert auch Besuch bei uns zu Hause ohne Probleme, allerdings hätte selbiger in meiner Abwesenheit wohl eher keinen Spaß mit ihm. Als ich mal auf die Toilette ging, wurde eine Freundin von mir - die er gerade erst kennengelernt hatte - sofort an Ort und Stelle fixiert, bis ich wieder da war.

 

Kuno Windhainersee Birk Roten Turm
Kuno & Birk 2021

Kuno ist lieb und lustig, selbstbewusst und freigeistig. Er ist durchaus ein Anfängerhund, aber nur für Menschen mit Biss. Wer sich von ihm einlullen lässt, wird - schneller als er gucken kann - am Nasenring durch die Manege gezogen. Er braucht absolute Konsequenz, allerdings ohne daß Kadavergehorsam von ihm eingefordert wird; auch mit Rumbrüllen kommt man bei ihm nicht weit: Kuno verweigert dann und beruft sich auf sein Streikrecht. Bei ihm liegt die Kraft in der Ruhe und der gradlinigen Durchsetzung des Geforderten, sonst hat man Trauer. Er neigt auch zur Konter-Korrektur, das heißt, ich korrigiere ihn, er folgt zwar der Anweisung, jedoch zähneknirschend und nicht ohne das letzte Wort zu haben: es wird Trotz-gepinkelt, oder der Kiefer macht noch einmal verhalten „klapp-klapp“. Ich sag‘s ja, Dickschädel! :-D

 

Er braucht keine übermäßige Bewegung, möchte aber bewegt werden. Zusammen machen wir zu Hause Tricktraining, daher kann Kuno winken, sich drehen, Pfötchen geben und High-Five-mäßig einschlagen. Wenn er auf den Topf muss, hat er gelernt, eine Glocke an der Tür zu läuten. Er lernt gern und schnell, verliert allerdings durchaus das Interesse bei zu stoischer Wiederholung.

 

Mehr und mehr komme ich jedoch auch ab davon, meinen Hund per Konditionierung zu trainieren. Der Bereich der Konditionierung beschränkt sich bei uns zwar lediglich auf Tricks, trotzdem empfinde ich es im Grunde meines Herzen als Beleidigung für diese hochintelligenten Tiere, mit einer Methode erzogen oder geformt zu werden, die auch geeignet ist, primitivste Lebewesen zu konditionieren (z.B. funktioniert die klassische Konditionierung auch bei Pflanzen). Es ist ja erwiesen, daß Hunde am nachhaltigsten durch soziales Lernen lernen, d. h., sie beobachten und lernen schließlich aus eigener Einsicht heraus. Daher hat Klickern inzwischen für mich einen etwas schalen Beigeschmack....

 

Mit Birk versteht sich Kuno hervorragend. Während Birki schneller gallig wird und mehr die spitztypischen Honigdachs-Eigenschaften sein Eigen nennt, ist Kuno überlegter und geduldiger. Er trickst Birk eher aus, um an das zu kommen, was Birk gerade hat (meist handelt es sich hier um natürlich um Futter).  Da Konkurrenz bekanntlich das Geschäft belebt, ist Kuno seit Birks Einzug bemüht, mir zu gefallen. Was mir auch gefällt....

 

Wenn es mich selbst als Hundeversion gäbe, dann wäre das Ergebnis Kuno. Wir sind uns charakterlich so ähnlich, wie sich Mensch und Hund nur ähnlich sein können. Sein verschmitzter, kluger Blick und seine einfühlsame Art, sowie seinen lustigen und eigenwilligen Charakter möchte ich nicht missen. Für mich ist er der beste Hund der Welt :-)

Kunos Zukunft

Kuno soll die Zuchttauglichkeitsprüfung bestehen, um seine hervorrragenden Spitz(en)gene weitergeben dürfen. Obwohl die Sozialisierung in der Stadt insofern perfekt war, daß der Hund wirklich durch nichts - außer Skateboards und Böller, die haßt er - aus der Ruhe zu bringen ist, soll er in nicht allzuferner Zukunft einen Garten zum Bewachen und einen selbstgebastelten Misthaufen bekommen.

Stand: 06.08.2021