Deutscher Spitz - Die Pflege


Fellpflege beim Spitz


Die Fellpflege beim Deutschen Spitz ist nicht so aufwendig, wie man meint. Nichts desto trotz muss man ihn schon pflegen! Insbesondere der Wolfspitz bedarf hier eines Mehraufwandes, einerseits durch seine gekreppte Fellstruktur und andererseits aufgrund der teilweise eingezüchteten Keeshond-Fellmassen. Das Fell des Großspitzes hingegen ist wirklich pflegeleicht. Ist der Schmutz erstmal getrocknet, kann er ganz leicht abgeschüttelt werden. Daher muss der Großspitz auch so gut wie nie gebadet werden.

Spitz Fellpflege Bürsten
von links: Zupfbürste, Naturborstenbürste, Noppenbürste, Metallkämme

Benötigte Utensilien:

 

- eine Noppenbürste
- eine Zupfbürste
- einen Metallkamm mit engen Zinken
- eine Naturborstenbürste
- eine Fellschere
- eine Zerstäuberflasche gefüllt mit Wasser und etwas Fellpflegemittel 

 

Ein Tipp am Rande: Kaufen Sie lieber die hochwertigen (und folglich eher teuren) Bürsten oder Kämme, sie machen sich bezahlt. Wer hier spart, spart am falschen Ende. Dies bedeutet allerdings nicht, dass man sich irgendwelche hochgepriesenen Zupfbürsten für bis zu 90 € kaufen muss. Ich habe die alte Zupfbürste ganz links von meiner Oma bekommen und sie ist mit Abstand die Beste, die ich je hatte. Kratzt nicht, zieht wirklich nur die lose Unterwolle heraus und durch die dicken Zinken bricht auch das Fell nicht ab. 

Vorgehensweise beim Bürsten des Spitzes

An sich reicht es locker, den Spitz einmal in der Woche gründlich durchzubürsten. Dabei wird die Haut massiert und durchblutet, während das natürliche Fett des Fells von der Wurzel auf die ganze Länge verteilt wird, wodurch das Fell frisch und gesund aussieht. Fellpflege ist übrigens während des gesamten Jahres wichtig und nicht nur im Fellwechsel. Verfilzte Partien isolieren nicht, sondern leiten die Wärme nach außen vom Körper weg. Die Isolierwirkung des Fells im Sommer wie im Winter beruht auf den Luftschichten, die sich zwischen Fell und Haut befinden. Diese Luftschichten werden durch Filze behindert. 

 

Beim Bürsten geht es grundsätzlich darum, das Fell aufzulockern, damit es nicht verfilzt und damit Luft an die Haut kommt - obwohl manche Spitzbesitzer anscheinend meinen, der Zweck des Bürstens läge darin, eine möglichst große Menge an Unterwolle aus dem Fell zu holen. Natürlich hängen nach einiger Zeit Haare in der Bürste und während des Fellwechsels ist die Bürste vermutlich schon nach zwei Minuten voll, aber das sind eben Haare, die ohnehin schon lose waren. Extra herausrupfen muss man die Unterwolle nicht, denn das zerstört höchstens die Textur des Fells. 

 

Für die normale Fellpflege ist daher eine Noppenbürste die Bürste der Wahl. Nur bei besonders üppig behaarten Spitzen sollte die Zupfbürste öfter zum Einsatz kommen, hier reicht die Noppenbürste nicht aus. Da trockenes Haar leichter bricht, sprühen Sie vor Beginn - und auch immer mal wieder zwischendurch - den Hund mit einer Mischung aus Wasser und Fellpflege ein. Wenn dann losgebürstet wird, ist es wichtig, das Fell in kleine Partien zu unterteilen und wirklich bis auf die Haut herunter zu bürsten, also auch den Haarboden (bei uns die Kopfhaut) zu erwischen und nicht nur die Oberfläche des Fells zu kämmen. Der Hund wird dann im Liegen durchgebürstet, den Kragen bearbeiten Sie am besten am Schluss, während der Hund sitzt. Danach kann man nochmal mit einer Naturborstenbürste nacharbeiten, um dem Fell so den letzten Schliff zu verpassen. 

  

Zu Beginn des Fellwechsels empfiehlt sich zuvorderst ein Bad, das löst die Unterwolle gut ab. Vor dem Bad muss das Fell unbedingt gründlich durchgebürstet werden, insbesondere die kritischen Stellen wie die Bereiche hinter den Ohren und am Bauch. Sonst verfilzen die losen Haare mit dem Fell und Sie haben im Anschluss richtig Spaß beim Bürsten. Zuerst muss man das Fell wirklich klitschnass machen, dann trägt man das Shampoo auf - hier empfiehlt sich so ein Seifenschwamm, sonst brauchen Sie wirklich Unmengen von Shampoo - welches dann Partie für Partie bis auf die Haut einmassiert wird. Danach kann mit dem Ausspülen begonnen werden, bestenfalls von vorn nach hinten und solange, bis keine Shampoo-Rückstände mehr im Fell sind. Das kann dauern! Gegebenenfalls kann nun eine Spülung aufgetragen und wieder ausgespült werden, dies empfiehlt sich besonders an den schwierigen Stellen wie im Mähnenbereich oder im Bereich der Hosen (speziell beim Wolfsspitz).

 

Eine Methode, die lose Unterwolle während des Fellwechsels herauszubekommen ist übrigens das "Carding" bzw. die "Hakelmethode", welche in diesem Video ganz gut erklärt wird. Hierbei arbeitet man sich Quadrant für Quadrant durch das Fell.

 

Wenn der Spitz anfängt zu riechen, liegt das meist nicht daran, dass er lange nicht gebadet wurde, sondern oft ist es die tote, abgelöste Unterwolle, die den Geruch verursacht. Gerade bei Wolfsspitzen, bei denen die lose Unterwolle im Fell haften bleibt, muss dann mit der Bürste nachgeholfen werden. 

 

So bürstet man einen Spitz richtig!

 

1) Partie 1 nach vorne bürsten

2) Partie 2 nach vorne bürsten

3) Partie 3 nach vorne bürsten

4) Vorderseite der Mähne nach oben bürsten

5) Vorderseite der Läufe nach unten bürsten

6) Vorderseite der Läufe nach unten bürsten

7) Federn nach oben bürsten

8) Hosen nach oben bürsten

9) Rute nach vorn bürsten

10) Kopfhaare nach oben bürsten

 


Fell-Problemzonen

Manche Fellpartien sind eine Herausforderung. Das Fell hinter den Ohren ist sehr weich und flauschig und verfilzt entsprechend schnell. Hier empfiehlt es sich, dieses Areal regelmäßig mit einem feinen Kamm durchzukämmen. Ähnliche Stellen befinden sich am Bauch und in den Achseln. 

 

Ansonsten sollte man den Kamm nur sehr sparsam einsetzen, denn möglichweise zieht er zu viel Unterwolle heraus. Nur während des Fellwechsels, wenn viel tote Unterwolle abgeht, kann man den Kamm auch am Körper einsetzen.

Den Spitz scheren

Einen Spitz darf man niemals einfach so von seinem dicken Pelz befreien, damit er im Sommer keinen Hitzschlag bekommt. Der Kahlschlag würde dafür sorgen, daß er der Sonne schutzlos ausgesetzt wäre, er könnte schweren Schaden nehmen. Trotzdem kann es hin und wieder notwendig sein, einen Spitz zu scheren. Gerade älteren Hunden, die nicht mehr ordentlich abhaaren oder auch Kastraten kann man damit zu neuer Lebensfreude verhelfen, denn das dicke, wollige Fell alter oder kastrierter Hunde kann zu Kreislaufproblemen führen. Dennoch sollte man auch hier das Fell nicht auf wenige Millimeter kürzen, sondern schon mindestens 2 cm stehen lassen. 

Spitz scheren Schur
Auswirkungen der Schur eines Spitzes auf das Fell (um 1905)
Löwenschur Wolfsspitz Keeshond
Wolfsspitz mit Löwenschur (Quelle: Schweikl "Der Wolfsspitz")

Ende des 18. Jahrhunderts war es in Holland ein Mode-Gag, Keeshonds wie Pudel zu scheren. Man verpasste ihnen damals eine sogenannte Löwenschur. Für Kastraten, die meist ein sehr dickes, wolliges und weiches Fell entwickeln, das die Fellpflege in einen wahren Staatsakt verwandelt, wäre dies ja vielleicht eine Möglichkeit, diese Herausforderungen zu umgehen. Im Übrigens ändert sich die Struktur des Fells durch die Kastration derart, dass wirklich alles darin hängen bleibt, zudem dauert es ewig, bis das Fell trocken ist. Daher würde ich schon aus diesem Grund von einer Kastration abraten.

Hundewolle verspinnen lassen

Man kann die ausgebürstete Unterwolle seines Spitzes auch sammeln und zu Wolle verspinnen lassen, um sich daraus etwas Schönes zu stricken. Hundewolle kratzt nicht und ist kuschelweich, hält wärmer als Schafswolle und wird jetzt auch lackaffenhaft "Chiengora" genannt, da das Garn wohl mit Angora zu vergleichen ist - und es so wohl weniger nach Hundehaar klingt ;-)

Unsere erste eigene Wolle aus Hundehaar


Körperpflege beim Spitz


Pfoten:

Läuft der Hund viel auf Asphalt, ist es in der Regel nicht notwendig, die Krallen zu kürzen, da diese sich von selbst ablaufen. Testen kann man das, indem man ein Blatt Papier nimmt, welches man problemlos (!) unter die Krallen des stehenden Hundes schieben können muss. Klappt das nicht, dann sollte man die Krallen mittels einer Krallenschere kürzen, wobei man hier aufpassen muss, nichts ins "Leben" zu schneiden - das blutet dann nämlich ordentlich. Gerade wenn man noch nie selbst Hand an Hundekrallen gelegt hat, ist es sicherlich besser, diese beim ersten Mal vom Tierarzt kürzen zu lassen. 

 

Vom Eincremen der Pfotenballen halte ich rein gar nichts, schließlich sollen diese ja widerstandsfähig und robust sein. Butterweiche Zartheit steht Robustheit allerdings diametral entgegen und so treten sich beispielsweise Scherben viel leichter in weiche Ballen ein, als in raue und harte. 

 

Im Sommer sollte man täglich zwischen den Zehen und Schwimmhäuten und auch unter den Pfoten nachschauen, ob sich Grannen verfangen haben, da sie mit Widerhaken versehen sind und nach und nach in den Körper eindringen können; man hat Grannen auf Röntgenaufnahmen schon im Brustkorb von Hunden gefunden. Ich persönlich schneide im Sommer das Fell unten zwischen den Pfotenballen kurz, lasse jedoch die Tasthaare vorn an den Pfoten stehen. Auf diese Art verfangen sich die Grannen auch nicht so leicht und der Hund hat trotzdem noch ein Gefühl für die ihn umgebende Oberfläche.

 

Popo:

Ein Körperteil, der gern vernachlässigt wird, ist der Allerwerteste des Hundes. Daher reinige ich mehrmals pro Woche den Popo mit einem Feuchttuch, das sieht netter aus und ist auch hygienischer bei im Haus oder in der Wohnung lebenden Hunden. 

Kuno Knochen Zähne putzen
Zahnpflege macht nicht nur Spaß, sondern auch müde!

Gebiss:

Wie bei uns Menschen ist auch in der Hundewelt die Qualität des Gebisses von Hund zu Hund unterschiedlich. Manche Tiere haben selbst im hohen Alter noch erstklassige Zähne, während andere schon als Jungtiere Zahnstein ansetzen. Dennoch sollte man bei allen Hunden regelmäßig nach dem Gebiss schauen, denn Zahnschmerzen oder entzündetes Zahnfleisch gehen auch an einem Hund nicht spurlos vorbei. Schlechte Zähne machen sich auch oft durch penetranten Maulgeruch bemerkbar, hier sollte dann lieber mal der Tierarzt drüber schauen. 

 

Ich habe mich mal am Zähneputzen bei den Hunden versucht, halte es aber inzwischen für blödsinnig. Die beste Möglichkeit zur Zahnpflege ist meiner Meinung nach die Verfütterung von großen Knochen, die durch das intensive Kauen den Abrieb fördern. Ich bevorzuge für die Zahnpflege Röhrenknochen. Oft wird ja davon abgeraten, sie zu verfüttern, da sie zu hart wären. Genau das ist aber der Sinn des ganzen: ein weicher Knochen bewirkt keinen Abrieb, ein harter schon. Zudem traue ich meinen Hunden genug Grips zu, zu wissen, wie fest sie an so einem Knochen herumkauen können. Ein weiterer Vorteil ist die Größe der Röhrenknochen, denn sie können nicht abgeschluckt werden. Allerdings muss man bei Knochen aus der Tiefkühlung aufpassen, dass sie vor der Verfütterung komplett aufgetaut sind, sonst kann sich der Hund tatsächlich einen Zahn an dem hartgefrorenen Knochen abbrechen. 

Ohren:

Die Ohren sollte man regelmäßig kontrollieren, insbesondere im Sommer, wenn Grannenzeit ist. Eine Reinigung ist nur bei starken Schmutzablagerungen erforderlich.

 

Augen:

Bei der Rasse eigentlich unproblematisch. Lediglich mit Klimaanlagen im Auto sollte man ein bisschen drauf achten, daß die Hunde sich da keine Augenreizung zuziehen.


Vorsorge beim Spitz


Der wichtigste Punkt hinsichtlich der medizinischen Vorsorge kommt direkt mal an den Anfang: die Tollwutimpfung. Ganz gleich, wie man zum Impfen generell steht, geht es mir hier weniger um den Wirkstoff, sondern darum, daß bei Verdacht auf Tollwut Tests am noch lebenden Tier NICHT erlaubt sind. Das wiederum heißt, daß der Amtstierarzt bei Tollwutverdacht immer zuerst euthanasieren lässt und dann erst auf Tollwut testet. Das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist im Rahmen der "adopt-don't-shop-Kampagnen" und der daraus folgenden Importe von Auslandshunden gar nicht so gering. Dies wird sehr schön geschildert in diesem Buch: nur ein einziger Auslandshund in der Nachbarschaft mit gefälschtem Impfpass und Tollwut kann für die Euthanasierung aller ungeimpften Hunde, die mit ihm Bekanntschaft gemacht haben, sorgen. Selbst die geimpften Tiere mussten wohl in Quarantäne. Wer darüber mehr lesen möchte, wird hier fündig: Die Tollwutimpfung

 

Wurmkuren sollte man dann und wann machen, allerdings kommt es hierbei natürlich auf den Hund an - Marke Müllschlucker sollte vielleicht mehr als einmal im Jahr entwurmt werden - und auf das persönliche Hygieneempfinden. Natürlich gibt man dem Hund hier Chemie, allerdings greift diese nicht die Darmbakterien an, wie in diversen Foren zu lesen. Ein Antiparasitikum und ein Antibiotikum sind zweierlei Schuh. Beherbergt der Kandidat Flöhe zur Untermiete, sollte man unbedingt daran denken, parallel zu entwurmen, da Flöhe sehr häufig auch Wurmeier übertragen.

 

Beim Zeckenschutz hat man leider nur die Wahl zwischen Not und Elend. Einerseits sind da die Krankheiten übertragenden Zecken, andererseits die Wirkstoffe der Zeckenschutzmittel, die wie Fipronil oder Permethrin als Nervengift wirken und zum Teil als (beim Menschen) krebserzeugend eingestuft sind. Ich wende den Zeckenschutz nur in der Hochsaison an, aber letztlich muss das jeder für sich selbst entscheiden. Mögliche Mittel zur Erregerabwehr sind in dieser PDF von der Tierärztekammer aufgeschlüsselt (wenn auch nicht ganz aktuell, da von 2007).


Vermeidung von Weichmachern beim Hund


Der Einfluß von Weichmachern - insbesondere von Bisphenol A - welches sich sehr häufig in Plastikspielzeug für Hunde finden läßt, verhindert die Methylierung der DNA: während der Trächtigkeit aufgenommene Bisphenole durch die Hündin beeinträchtigen die Gehirnentwicklung der Welpen, die sich später in erhöhter Ängstlichkeit zeigt. Zudem zeigt sich in diversen Tests, daß auch Beeinträchtigungen des Sozialverhaltens und des Lernvermögens auftraten (teilweise über mehrere Generationen).* Weichmacher sollten daher zeitlebens gemieden werden, da sie das Epigenom (mitunter generationenübergreifend) stark beeinflussen können; dies sowohl bei Althunden als auch bei Welpen!

 

Obacht übrigens bei der Deklarierung "BPA-frei"; dies bedeutet nichts anderes, als daß eben kein Bisphenol A darin vorkommt. Alle anderen Weichmacher können trotzdem im Spielzeug vorhanden sein.

*Kundakovic and Champagne, 2011

Stand: 16.03.2022

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