Die wichtigsten Groß- und Wolfsspitzzwinger


Hier möchte ich nun die verdienstvollsten Züchter und ihre Zwinger nennen, derer ich habhaft werden konnte und deren Namen man in der Spitzliteratur, aber auch in den Ahnentafeln unserer Hunde, immer wieder begegnet. All diese Züchter - und ich habe sicherlich noch sehr viele unterschlagen - haben einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt unseres Wolfsspitzes bzw. unseres Großspitzes geleistet - ja leisten ihn zum Teil noch heute - und verdienen es daher, hier genannt zu werden.

Wolfsspitz bis 1945

Geron am Ziel
Geron am Ziel (aus "Der Wolfsspitz"), Sieger 1924 und 1926

"Am Ziel"

Nach dem Ersten Weltkrieg war nur ein einziger Züchter in Deutschland aktiv: Mathäus Salomon aus Schweinfurt mit seinem Wolfsspitzzwinger "am Ziel". In den Jahren nach dem Krieg ging fast jeder Wolfsspitzwurf auf Salomons Zwinger zurück, so dass man sagen kann, dass sein Zwinger quasi die Keimzelle der damaligen deutschen Wolfsspitzpopulation war. Herrn Salomons Hunde hatten schon damals einen relativ langen Stammbaum, der bis in die Vorkriegszeit zurückreicht. Sein Rüde "Wolf II von der Wolfsinsel" kam aus Tirschenreuth, seine Hündin "Hexe von Goslar" aus Goslar. Seine berühmteste Hündin war "Christel am Ziel", auf die die meisten nach England exportierten Hunde zurückgehen. Sie ist quasi der Dreh- und Angelpunkt aller reinrassigen Wolfsspitze. 

"Von der Aue"

Nachdem es lange verschiedenste Wolfsspitztypen gab, wurde ab den 1930er Jahren ein Kompromisstyp festgemacht, indem die vorhandenen Zuchten zusammengeführt wurden. Die Vorreiterrolle spielte dabei der Zwinger "von der Aue", der von Herrn Adam Heß aus Lampertheim geführt wurde. Seinen Zwinger gab es schon vor dem Ersten Weltkrieg, allerdings baute er diesen in den 20er Jahren mit der Hündin "Erle von Oldeshofen" und verschiedenen prominenten Deckrüden neu auf. Obwohl Adam Heß wie Frau von Ribeaupierre ("von Wulfilo") im Jahr 1937 starb, führte sein Sohn Fritz den Zwinger bis nach dem Zweiten Weltkrieg mit großem Erfolg weiter - er wurde zu Recht als ältester deutscher Wolfsspitzzwinger beworben - während Frau von Ribeaupierres Hunde nach ihrem Tode in alle Winde zerstreut wurden. Der Richter Bazille (ja der hieß wirklich so) schrieb 1937: "Heß, Lampertheim, verstand es, im Laufe der Zeit eine richtige Familienzucht zu treiben. Stehen aus seiner Zucht vier bis fünf Hunde im Ring, so gleichen sich die Tiere wie ein Ei dem anderen. Sie sind im Typ gleichmäßig, sie sind gleichmäßig groß und haben einwandfreien, anatomischen Bau, und sind, was besonders betont werden soll, ganz hervorragend im Haar. Die kleinen Ohren, die buschigen, korrekt getragenen Ruten, die Farbe und die Mähne reißen jeden mit, der Freude an unserem deutschen Spitz hat." 

Aron vom Dörfle
Aron aus dem Zwinger "vom Dörfle"

"Vom Dörfle"

Der Sieger 1931 aus Herrn Hausers Zucht, "Aron vom Dörfle", sein Bruder "Almar vom Dörfle" und seine Söhne "Cäsar von Jura" und "Dago von Jura" waren die wichtigsten Zuchtrüden ab 1925. 

 

"Von Hofstätter"

In Bayern fanden die Wolfsspitze in Herrn Hofstätter einen Förderer. Seine Nachzuchten "Ferro" und "Derma" kamen in den Zwinger "vom Havelland" des Herrn Buntzel, der in Berlin zwar etwas abseits vom Schuss lebte, sich aber viele Jahre lang bemühte, den Wolfsspitz in der dortigen Gegend einzuführen. Sein Eifer war offenbar von Erfolg gekrönt, denn unter anderem gehen die Wolfsspitze "vom Beckershof" in Berlin-Rudow auf die Buntzel-Hunde zurück.

 

"Von Hohenzollern"

Zwinger von Herrn Mader aus Müssingen. Das Aushängeschild für seine Zucht war die überragende "Gisela von Hohenzollern", 1935 geworfen. Sie und viele andere Wolfsspitze "von Hohenzollern" kamen in die Zucht.

 

"Von Jura"

Herr Guldi züchtete zusammen mit Herrn Hauser aus dem Zwinger "vom Dörfle" die wichtigsten Zuchtrüden seit 1925, nämlich "Cäsar von Jura" und "Dago von Jura".

"Dago von Lauerhaas"
"Dago von Lauerhaas" (*19.02.1932)

"Von Lauerhaas"

Eine uralte Zucht des Herrn Thiemann aus Obrighoven bei Wesel. Hier gab es große graue und schwarze Spitze. Ein Zucht Rüde aus seinem Zwinger, "Dago von Lauerhaas" kam erst im Alter von 7 Jahren als Zuchtrüde zu größerer Bedeutung und blieb dann noch mindestens 5 Jahre im Einsatz. Hieran lässt sich insbesondere die Langlebigkeit der Spitze erkennen, er war auch nicht der einzige Rüde, der bis ins hohe Alter züchterisch Verwendung fand. Dago war ein Rüde mit einem "kapitalen Gebäude", der 1938 bei der Reichssiegerausstellung den begehrten Titel gewann.

 

"Von der Rauschelay"

Ein kleiner, aber sehr berühmter Zwinger von Herrn Dr. Heller in Köln, später in Freiburg im Breisgau. Stammmutter war "Gisela von Hohenzollern", deren Sohn "Alf von der Rauschelay" aus ihrem ersten Wurf stammte und der jahrelang ein alles überragender Reichssieger war. Mit der Hündin "Stübb" ließ Dr. Heller 1937 eine Registerhündin ins Zuchtbuch eintragen - durch sie wurde jedoch zum letzten Mal für sehr lange Zeit frisches Blut eingeführt. Dr. Hellers Hunde repräsentierten gut den damals erwünschten Typus: mittelgroß, mit guten Proportionen. Nur die Ohren wären nach heutigen Maßstäben zu groß gewesen. 

 

"von Wulfilo" 

Mit der Freifrau von Ribaupierre aus Marquartstein in Oberbayern hatte die Wolfsspitzzucht von 1927 bis 1937 eine sehr engagierte Züchterin.

Wolfsspitz Nach 1945

"Vom Albuch"

Familie Heinrich aus Bartholomä begann 1994 mit der Zucht und ließ bis 1998 39 Welpen eintragen.

 

"Vom alten Nierstal"

Barbara und Karl Steinhilber gründeten 1993 die Zucht und verzeichneten bis 1997 54 Welpen. Die Elterntiere des erstes Wurfs waren eine aus Holland importierte Hündin und ein Rüde aus der Zucht "vom Kreigenfeld". Frau Steinhilber importierte auch Keeshonds aus den USA, während ihre Nachzucht sogar bis nach Kanada exportiert wurde und dort sämtliche Titel abräumte. 

 

"Von Bounty's Wölfen"

Nach dem Mauerfall war dieser Zwinger von Frau Gudrun Wache aus Schildow einer der ersten von insgesamt 60 Spitzzwingern, die aus den neuen Bundesländern in das Zuchtbuch des Vereins für Deutsche Spitze übernommen wurden. Bis 1997 konnte Frau Wache 24 Welpen in das Zuchtbuch eintragen lassen. 

 

"Vom Christelhof"

Herr Günter Dangeleit aus Dortmund konnte in 30 Jahren Zucht auf 161 Wolfsspitzwelpen und 10 Kleinspitzwelpen zurückblicken. Sein letzter Wurf von 1993 war ein stolzer "alle-Neune"-Wurf. Sein als Schutzhund ausgebildeter Rüde "Arco" war der erste Wolfsspitz seines Zwingers und hatte, als er mit 16 Jahren starb, insgesamt 142 Welpen gezeugt. Zusammen mit seiner Gefährtin "Moni vom Olpketal", der gemeinsamen Tochter "Asta vom Christelhof" und der aus der DDR importierten Hündin "Hella vom Groitzschberg" war Arco der Urahn vieler von "Christelhof"-Spitzen. Der Züchter Herr Dangeleit war ein sehr engagiertes Mitglied des Vereins für Deutsche Spitze, wo er auch als Spezialrichter brillierte, ebenso gehörte er dem Vorstand des Vereins an. Da er auch sehr an der Gesundheit der Wolfsspitze interessiert war, sorgte er mit der Ankörung des Rüden "Zeno vom Wymarshof" für eine Blutauffrischung. Der Rüde entstammte der Verpaarung mit einer Hündin von Frau Weitz ("vom Wymarshof") und dem holländischen Rüden "Ido Niels van't Benthuys".  

 

"Von der Irisblüt"

Der bekannte Zwinger von Herrn Eckhardt Tietz aus Bergkamen schloss 1994 nach 20 Jahren Zuchtgeschehen und 75 Welpen seine Pforten. 

 

"Von der Marienhöhe"

In den 90er Jahren wurden von Frau Anna Maria Schindler aus Leipzig 71 Welpen in das Zuchtbuch eingetragen. Da der erste Wurf von 1990 allerdings schon ein Q-Wurf war, kann daraus gefolgert werden, dass Frau Schindler schon lange vor der Wende die Wolfsspitze in der DDR betreute. Der Vater des Q-Wurfs stammte aus Polen. 

 

"Vom Dornröschengarten"

Der Zwinger von Frau Fanny Reisinger aus Mühldorf/Inn stellte in den 50er und 60er Jahren mit 263 eingetragenen Welpen eine der größeren Zuchten dar mit ihrer Hündin "Astrid vom Donaustrand" und "Nick und Nolly vom Jagdkreis Rosenheim". Sie exportierte viele Welpen nach Österreich und in die Schweiz. In diesem Zwinger wurde 1956 ein schwarzer Großspitzrüde aus deutscher Linie zur Wolfsspitzzucht eingesetzt, vielleicht um etwas für die farblichen Kontraste der Wolfsspitze zu tun. Frau Reisinger widmete sich zusätzlich noch den schwarzen Großspitzen und konnte insgesamt 66 schwarze Welpen in das Zuchtbuch eintragen lassen. 

 

"Vom Fasanenweg" 

Heinrich Rüting aus Leverkusen züchtete fast 30 Jahre lang und ließ 1991 seinen 185. Welpen ins Zuchtbuch eintragen. Herr Rüting setzte vor allem auf Linienzucht und Inzucht und nach seinem Tode wurde der Zwinger noch einige Zeit von seiner Familie weitergeführt. Durch den Rüden "Wotan vom Fasanenhof" ist der Zwinger heute noch präsent, denn er hinterließ seine Gene in den Zwingern "von Hellas" und "Nelly's".

 

"Vom Frankenrid"

Der DDR-Zwinger von Sigrid und Frank Zimmermann aus Gräningen erreichte mit seiner hübschen Hündin "Ave von Frankenrid" und ihren Töchtern "Dzina" und "Dzonga" nach dem Mauerfall die Eintragung in die Auslesegruppe und einige Anwartschaften. Auch in der Zucht selbst waren die Zimmermanns sehr erfolgreich.

 

"Vom Geroldstein"

Ein wichtiger Zwinger der Nachkriegszeit. "Drusus vom Geroldstein" war mit 42 (!!) Würfen der in dieser Zeit am meisten eingesetzte Rüde. Er deckte am meisten im Zwinger "vom Urbachtal".

Wolfsspitz Akrobat vom Gänsehof

"Vom Gänsehof"

Frau Erika Prösch aus Müssen/Lauenburg ließ in den 60er und 70er Jahren 115 Welpen registrieren.

 

"German Grey Stars"

Eine sehr bekannte und erfolgreiche Wolfsspitzzucht der letzten Jahre von Melitta und Dieter Borchert aus Neuenrade. Dort wurde nach langer und sorgfältiger Planung 1993 mit der Zucht begonnen. Der Zwingername wurde durch ihre erste Hündin "Grey Gril vom Wielandstein" inspiriert, da die Hündin eine so schöne Fellfarbe hatte. Mit einem Wurfdurchschnitt von 8 Welpen pro Wurf - bis 1998 wurden aus 5 Würfen 40 Welpen registriert - kann man den Zuchthunden dieses Zwingers definitiv eine sehr hohe Fruchtbarkeit bescheinigen. 1998 fügte die Familie ihrem Zwinger den englischen Rüden "Thorsdale Trouble Shooter at Venway" hinzu, der im selben Jahr noch glücklicher Vater eines 10er-Wurfes wurde. 

 

"Vom Havelland" 

Der erste Wurf von Herrn Ralf Plaue aus Kleinau bei Düren fiel 1962 und nach aus seiner Zucht hervorgegangenen 91 Welpen wurde der letzte Wurf 1991 ins Zuchtbuch eingetragen. 

 

"Von Hellas"

Frau Dagmar Freytag aus Römerberg hatte eine bekannte Zucht in den 1980er Jahren. Sie ließ insgesamt 51 Welpen eintragen, deren Nachzucht sich in den Zwingern "von der Bachaue", "von Hochkirchen" und "vom Geroldsgrund" wiederfand. 

 

"Hessen"

Der Züchter war hier der Landesjagdverband Hessen, der einer derjenigen war, die den Wolfsspitz ausdrücklich den Bauern zur Anschaffung empfahl und die Wolfsspitze an die Bauern auch zu sehr günstigen Konditionen abgab, um seinerzeit der wildernden Schar Mischlingshunden, die von diesen Höfen stammten, Herr zu werden. Mit 97 Eintragungen in den 60ern und 70ern ist dieser Zwinger einer der Großen dieser Zeit. Dieser Zwinger züchtete zudem zwischen 1965 und 1968 53 schwarze Großspitze. Man hatte also das Vertrauen in den Ruf der "nicht wildernden Wolfsspitze" auch in die Großspitze gesetzt. 

 

"Vom Kamener Kreuz"

Erwin Rönnpagel aus Kamen züchtete 20 Jahre lang Wolfsspitze und kam dabei auf 127 gemeldet Welpen. Einige von ihnen konnten später beachtliche Ausstellungserfolge aufweisen. Die Zucht wurde 1993 beendet.

 

"Vom Kreinberg"

Dieser Zwinger der 70er und 80er Jahre von Herrn Fritz Knipps aus Nachrodt konnte bis 1991 insgesamt 138 eingetragene Welpen verzeichnen.

 

"Vom Klinkerwerk"

Dieser Zwinger ist einer der ganz Großen des Zuchtgeschehens. In 35 Jahren Wolfsspitzzucht wurden sage und schreibe 399 (!) Welpen eingetragen. Schwerpunktmäßig züchterisch tätig war Herr Theodor Wittlerbäumer in den 70er und 80er Jahren. Herr Wittlerbäumer hatte scheinbar auch eine sehr gute Verbindung zu Frau Weitz "vom Wymarshof", denn "Resa vom Wymarshof" wurde eine Stammmutter in der Zucht "vom Klinkerwerk". Herr Wittlerbäumer war auch sehr auf die Einbringung neuen Blutes bedacht: seine selbstgezogenen Rüden "Solo und Sandro vom Klinkerwerk", die Söhne des holländischen Champions "Claus oet et Laand van Aleer", sind als Väter von insgesamt 14 Würfen in vielen Ahnentafeln zu finden. Ab 1970 setzte er ganz auf holländisch-englische Linien. Seine Deckrüden seit den 70ern, "Nanuk vom Christelhof" und "Prince Charming Kammler" - ein England-Import - brachten es auf 23 bzw. 30 Würfe. Da mit vielen ihrer Nachkommen weitergezüchtet wurde, stößt man als Wolfsspitzbesitzer schnell auf ihre Namen in den Ahnentafeln.

Wolfsspitzwelpen vom Wymarshof
Wolfsspitzwelpen "vom Wymarshof"

"Vom Lindenkopf"

Herr Karl Bommersheim entließ in den 60er und 70er Jahren insgesamt 118 Welpen hinaus in die Welt. 

 

"Vom Olpketal"

Heinz Kreigenfeld aus Dortmund war er sehr engagierter Züchter in den 50er Jahren. Seine vielfach ausgestelltes Sieger-Pärchen "Juno vom Olpketal" und "Nicandra vom Wymarshof" sorgte für Zulauf auf den Ausstellungen seiner Zeit. Sein prämierter Rüde "Boy vom Olpketal" (*1950) kam als Vater der "vom Christelhof"-Stammutter "Moni vom Olpketal" in die Ahnentafeln.

 

"Vom Osterhof"

Mit 227 eingetragenen Welpen bereicherte dieser Zwinger von Frau Helga Feddersen aus Ost-Barkum die Wolfsspitzzucht in der Zeit von 1971 bis 1996. Die Zucht wurde aufgebaut mit einer Hündin von Frau Weitz, nämlich "Debora vom Wymarshof".

 

"Vom Rheinfeld"

So nannte sich der Zwinger von Otto Müller aus Pfalzfeld, der von 1958 bis 1974 157 Welpen eintragen lassen konnte. 

"Vom Schülerhof"

Frau Gabriele Gamalski hatte mit ihrem Zwinger in den 90ern gute Erfolge durch die Kombination von Wolfsspitzen aus Ost und West. Aushängeschild dieses Zwingers war der Rüde "Eiko vom Schülerhof", er war einer der erfolgreichsten deutschen Hunde um 1995. Aber auch sein Bruder "Enno" durfte wie "Eiko" in verschiedenen Zwingern für Nachwuchs sorgen.

 

"Vom Urbachtal"

Der Zwinger von Herrn Peter Unkelbach aus Elsdorf bei Porz konnte in nur 10 Jahren 205 Welpen eintragen lassen, er bestand von der Mitte der 50er bis zur Mitte der 60er. Viele seiner Welpen entstammen dem damals begehrtesten Deckrüden "Drusus vom Geroldstein". 

 

"Vom Wolmersdorf" 

241 Welpen wurden zwischen 1958 und 1971 in diesem Zwinger geboren. Der Zwinger selbst wurde vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein geführt und repräsentierte die erste Zuchtstätte, die Wolfsspitze aufgrund des fehlenden Jagdtriebes seinerzeit an die Bauern in SH weitergab.

Wolfsspitze vom Wymarshof
Wolfsspitze aus dem Zwinger "vom Wymarshof"

"Vom Wymarshof"

Dieser Zwinger von Frau Irene Weitz aus Jülich hat Geschichte geschrieben. In Spitzkreisen bezeichnete man sie zu Recht als die "First Lady der Wolfsspitzzucht". Ihr Leben mit Wolfsspitzen begann bereits im Alter von 14 Jahren und im selben Alter trat sie 1927 in den "Verein für Deutsche Spitze" ein. Ihre Zucht gründete sie allerdings erst 1951, den letzten Wurf ließ sie 1994 eintragen. Insgesamt entstammten 262 Welpen ihrem Zwinger, dennoch hatte sie nie viele Würfe pro Jahr, wobei jeder Wurf sorgfältig geplant wurde. Ihr Zwinger selbst befand sich auf dem denkmalgeschützten Wymarshof in Jülich-Kirchberg. Ihre Zucht begründete sie auf den alten deutschen Linien "von der Schmidtburg" aus Jülich und "vom Donaustrand" aus Regensburg. 1960 kreuzte Frau Weitz das erste holländische Blut in ihre Zucht ein. Auch in späteren Jahren setzte sie Wolfsspitze aus holländischer Zucht ein, allerdings liegt die Betonung hier wirklich auf "Wolfsspitz", denn mit den Keeshonds konnte sich Frau Weitz ihr Leben lang nicht anfreunden. Ebenso importierte sie auch Wolfsspitze aus England, denn da die deutschen Linien züchterisch inzwischen recht "eng" geworden waren, benötigte man dringend frisches Blut. Frau Weitz war nicht nur sehr bedacht darauf, sauber und ordentlich zu züchten, sondern sie suchte auch die zukünftigen Besitzer ihrer Nachzucht sehr sorgfältig aus. "Roy vom Wymarshof" (*1981) war ein prominenter Deckrüde von Frau Weitz. Seine Söhne "Bosco vom Horster Moor" und "Pablo vom Klinkerwerk" führten mit zusammen 28 Würfen die Linie vom "Wymarshof" weiter. 

Alf vom Zörnereck
"Alf vom Zörnereck"

Lange Jahre war es Tradition, dass sich die große "Wymarshof-Familie" einmal im Jahr auf dem prächtigen Wymarshof traf. Insgesamt konnte Frau Weitz auf 43 Jahre Wolfsspitzzucht zurückblicken. Frau Weitz starb 2008 nach kurzer Krankheit im Alter von 94 Jahren. Man gab ihr ihre letzte Hundeleine mit in den Sarg.

 

"vom Zörnereck"

Von 1974 bis 1994 ließ Frau Inge Zörner aus Berlin 70 Welpen in die Zuchtbücher des Vereins für Deutsche Spitze eintragen. 

Wolfsspitz International

"Van Zaandam"

Mrs. Wingfield-Digby war mit ihrem berühmten Zwinger die Begründerin der englischen Wolfsspitzzucht und widmete sich der Rasse ihr ganzes Leben lang. Als sie 1902 als junges Mädchen Holland bereiste, bewunderte sie die schönen, grauen Hunde dort auf den Lastkähnen. Einige Jahr später holte sie die ersten dieser Hunde aus Holland, später aus Deutschland, zu sich nach Hause. Als "Dutch Barge Dogs" wurden die ersten Exemplare 1923 ausgestellt, seit 1926 heißt die Rasse in England offiziell "Keeshond". 

 

Da die Rassehundezucht damals eine Sache der Wohlhabenden war, bildete auch Mrs. Wingfield-Digby keine Ausnahme, die eine in einem Schloss lebende Baronin war. Ihr erster Keeshond-Champion (1929) hieß "Dochfour Hendrick" aus ihrer eigenen Zucht stammender Rüde, Sohn des deutschen Wolfsspitzes "Horst am Ziel" (als "Hendrik van Zaandam" in England registriert). Als die Rasse in England immer populärer wurde, holte man sich lieber aus Deutschland als aus Holland die Zuchttiere, da es in Deutschland bereits brauchbare, einige Generationen zurückgehende Ahnentafeln gab. 

 

"Guelder"

Mrs. Alice Gatacre stammte aus Holland, wanderte jedoch 1928 nach England aus und baute dort ihren bekannten Keeshond-Zwinger auf. Sie brachte 1938 das Buch "The Keeshond" heraus, das bis heute als Klassiker der Wolfsspitzliteratur gilt. 365 Welpen wurden zwischen 1928 und 1940 ins englische Zuchtbuch eingetragen

Großspitze

"Vom Berg Sonnenhof"

Ilse Lauermann aus Unterleinleiter züchtete seit 1987 weiße Großspitze und baute ihre Linien auf den Zwingern "Vom Lichtenberger Wappen" und "vom Seerosenweiher" auf. Zudem importierte sie auch frühzeitig einige Hündinnen aus Tschechien, die sie 1990 in die Zucht nahm, später folgten noch weitere tschechische Hündinnen. Insgesamt konnte sie 120 Welpen ins Zuchtbuch eintragen lassen. Ilse Lauermann hat als Erste American Eskimo Dogs im Jahre 2003 importiert, nämlich die Hündinnen "Alpine`s Walk to Remember" und "Nature's Puppy Love". Es gab massive Widerstände gegen diese Aktion, dennoch wurde die Umschreibung der beiden "Eskies" zum Großspitz ohne Auflagen seitens des Verbandes genehmigt. 

 

"Von der Beyenburg"

Ein sehr wichtiger Großspitz-Zwinger von Frau Margrit Weihs-Hecker aus Kerpen, in dem ursprünglich Wolfsspitze gezüchtet wurden, bis 1986 dort der erste Wurf schwarzer Großspitze fiel, der hervorging aus den beiden Linien "vom Schloßpark" und "vom Elmdorf". Schon 1986 importierte Frau Weihs-Hecker eine Hündin aus der ehemaligen CSSR, mit der sie 1987 ihren ersten Wurf zu verzeichnen hatte. In dem Versuch, die deutschen Blutlinien zu bereichern, ließ sie 1988 ihre Hündin Dunja mit einem Rüden aus der Schweiz belegen und im gleichen Jahr eine ihrer tschechischen Hündinnen von einem CSSR-Champion-Rüden. Absichtslos zog sie im März 1991 mit ihrer als erste aus der CSSR importierten Hündin einen "bunten" Wurf groß: von den 7 Welpen waren nur 4 schwarz, zwei waren weiß und eine Hündin graugewolkt. Insgesamte konnte sie 129 Welpen verzeichnen. 

Otto vom Dornröschengarten
"Otto vom Dornröschengarten"

"Vom Dom"

Zwinger von Frau Stockmann aus Töging am Inn, der zwischen 1956 und 1964 insgesamt 76 schwarze und braune Welpen zu verzeichnen hatte. Ende der 50er Jahre ließ sie auch 26 Wolfsspitze eintragen. 

 

"Vom Dornröschengarten"

Frau Reisinger aus Mühldorf ist uns schon von den Wolfsspitzen bekannt. Im gleichen Zeitraum wie Frau Stockmann "vom Appelhof" zog sie 66 schwarze Großspitzwelpen auf. 

 

"Hessen"

Der Züchter war hier der Landesjagdverband Hessen, der einer derjenigen war, die den Wolfsspitz ausdrücklich den Bauern zur Anschaffung empfahl und die Wolfsspitze an die Bauern auch zu sehr günstigen Konditionen abgab, um seinerzeit der wildernden Schar Mischlingshunden, die von diesen Höfen stammten, Herr zu werden. Mit 97 Eintragungen in den 60ern und 70ern ist dieser Zwinger einer der Großen dieser Zeit. Dieser Zwinger züchtete zudem zwischen 1965 und 1968 53 schwarze Großspitze. Man hatte also das Vertrauen in den Ruf der "nicht wildernden Wolfsspitze" auch in die Großspitze gesetzt. 

 

 

"Von Kauthen Ruh"

Frau Roswitha Gross-Lamprecht widmet sich erfolgreich seit 1999 den schwarzen Großspitzen und konnte bis jetzt 102 schwarze Welpen eintragen lassen, sowie einen weißen und fünf braune Großspitze. 

  

"Von der Kesterburg"

Herr Dieter Holzapfel aus Münchhausen begann rein mit der Linie "von der Beyenburg" und zog bis 1994 insgesamt 17 schwarze Welpen groß, sowie 4 braune Welpen. Die letzten braunen Großspitze, die vor ihrem Verschwinden gemeldet wurden, kamen aus diesem Zwinger. Zuvor gab es 1991 noch zwei braune Großspitze "von der Kesterburg". In den 80er Jahren wurden in ganz Deutschland nur 3 braune Großspitze eingetragen, in den 70ern immerhin noch 12, in den 60ern 26 und in den 50er Jahren noch 43. 

 

"Von Lauerhaas"

Eine uralte Zucht des Herrn Thiemann aus Obrighoven bei Wesel. Hier gab es große graue und schwarze Spitze. Ein Zucht Rüde aus seinem Zwinger, "Dago von Lauerhaas" kam erst im Alter von 7 Jahren als Zuchtrüde zu größerer Bedeutung und blieb dann noch mindestens 5 Jahre im Einsatz. Hieran lässt sich insbesondere die Langlebigkeit der Spitze erkennen, er war auch nicht der einzige Rüde, der bis ins hohe Alter züchterisch Verwendung fand. Dago war ein Rüde mit einem "kapitalen Gebäude", der 1938 bei der Reichssiegerausstellung den begehrten Titel gewann.

 

"Vom Lichtenberger Wappen"

Nach der Wende erweiterte sich die Großspitzzucht um den Zwinger von Gerlinde Körner, die schon einige Jahre vorher in Ost-Berlin züchterisch tätig war. Bis 2005 wurden aus ihrer Zucht insgesamt 61 Welpen registriert. 

 

"Vom Seerosenweiher"

Mit über 20 Jahren Zuchterfahrung konnte Frau Eyke Schmidt-Rohde aus Darmstadt insgesamt 110 Welpen registrieren lassen. Sie war nicht nur lange Jahre Hauptzuchtwartin im Verein für Deutsche Spitze, sondern auch die 1. Vorsitzende der Gruppe Darmstadt-Mainz. Zudem ist sie die Autorin des Buches "Der Spitz", welches regen Absatz fand. Ihr erster Wurf fiel 1979 mit einer Hündin, die Frau Schmidt-Rohde 1977 in Holland erworben hatte. Der Rüde stammte aus der Zucht "von der Zugspitzhöhe". Sie blieb dem Prinzip der Wiederholung von erfolgreichen Verpaarungen während ihrer gesamten züchterischen Tätigkeit treu, so dass 1990 alle ihre Zuchthunde aus ihrer eigenen Nachzucht stammte. Sie setzte vor allem auf Linienzucht und Inzucht und verpaarte unter anderem ihren Rüden "Orpheus vom Seerosenweiher" mehrfach mit seiner Tochter "Ursina". Weil die Linien dann offensichtlich zu eng wurden, verpaarte sie 1991 eine ihrer Hündinnen mit einem Rüden "vom Berg Sonnenhof", der aus einer Verbindung eines ihrer eigenen Rüden mit ihrer aus der CSSR importierten Hündin stammte. 1993 setzte Frau Schmidt-Rohde eine weiße Großspitzhündin zur Zucht ein, die sie von Frau Weihs-Hecker erwarb. Diese Hündin war aus einer Verpaarung zweier schwarzer Großspitze entstanden (siehe "von der Beyenburg"). 

 

"Vom Sonnenglanz"

Eigentlich ein Wolfsspitzzwinger, in dem es jedoch - nachdem nach 1968 keine braunen Großspitze mehr eingetragen worden waren - nach Genehmigung des Vereins für Deutsche Spitze zur weiteren Zucht mit schwarzen und braunen Großspitzwelpen kam, die innerhalb einer Wolfsspitzverpaarung (!!!) gefallen waren. Man erhoffte sich mit diesem spektakulären Versuch den braunen Farbschlag zu retten. Die Großspitzwelpen aus besagter Wolfsspitzverpaarung waren Spitze aus dem Zwinger "vom Sonnenglanz". Der Versuch der Zucht mit diesen Welpen verlief jedoch nicht erfolgreich für die Großspitze.

 

Die Frage ist, wieso aus einer Verpaarung von Wolfsspitzen Großspitze entsprangen? Der Vater dieses 9er-Wurfes war der Wolfsspitzrüde "Udo vom Klinkerwerk". Udo wurde am 14.03.1972 geboren und stammte aus einer Verpaarung vom englischen Rüden "Prince Charming Kammler" mit einer Wolfsspitzin "vom Wymarshof". Die Vermutung liegt nahe, dass die englischen Züchter höchstwahrscheinlich einen schwarzen Großspitz eingekreuzt haben, da ihre eigenen Keeshonds inzwischen zu hell und kontrastlos geworden waren. 

 

1970 fielen im selben Zwinger "vom Sonnenglanz" erneut zwei schwarze Großspitze, die aber keine Zuchtzulassung erhielten. Verfolgt man deren Linien zurück, so landet man bei einem Wolfsspitz, der 1963 im Zwinger "vom Rheinfeld" eingesetzt wurde und aus Holland stammte. Da es keine Importe in den 60er Jahren gab, liegt es nahe, dass mit einer Hündin aus diesem Zwinger zum Decken nach Holland gefahren worden war. 1969 wurden in einem kleineren Wolfsspitzzwinger ebenfalls zwei schwarze Großspitze geworfen. Auch hier endet die Spur bei dem Rüden aus Holland. 


Alte Ahnentafel von "Agilo von Bauernmark"

Stand: 30.08.2021

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